Thanksgiving ist einer der Feiertage, die es in Deutschland so nicht gibt. Deshalb war es für mich etwas Besonderes, den Tag hier miterleben zu können. Es war eine gute Möglichkeit zu sehen, wie wichtig Thanksgiving für viele Familien ist und welche Rolle gemeinsame Zeit dabei spielt. Ich habe Thanksgiving zusammen mit meiner Gastfamilie bei deren Verwandten in Houston verbracht. Houston ist ungefähr zwei Stunden von San Antonio entfernt, deshalb sind wir am Vormittag losgefahren und am Nachmittag angekommen. Wir waren bei einem meiner Gastonkel zu Besuch und haben dort gemeinsam das typische Thanksgiving-Essen vorbereitet.
Dabei habe ich gelernt, dass es viele verschiedene Arten gibt, einen Truthahn zuzubereiten. Man kann ihn zum Beispiel im Ofen backen, grillen oder frittieren. Obwohl es am bekanntesten ist den Truthahn im Ofen zuzubereiten, hat sich meine Gastfamilie dafür entschieden, ihn in einem großen Topf zu frittieren. Da die ganze Familie zu Besuch war, war der Truthahn entsprechen auch ziemlich groß. Das Brotstuffing, das normalerweise im Truthahn selbst drin ist, wurde extra als Beilage gegessen. Zum Nachtisch gab es einen typischen Texas Pecan Pie.
Eine Sache, die mich sehr überrascht hat, war es, dass wir, statt gemeinsam an einem Tisch zu essen, alle zusammen auf Sofas und Stühlen in einem Kreis gegessen und gegessen haben. Bevor wir mit dem Essen angefangen haben, hat jeder reihum gesagt, wofür er dankbar ist. Das fand ich sehr schön und es hat mir gezeigt, dass es an Thanksgiving vor allem um Dankbarkeit, Familie und Zusammenhalt geht. Nach dem Essen haben wir noch ein kleines Quiz über Thanksgiving gemacht. Dabei habe ich gelernt, dass Thanksgiving immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Später habe ich mich auch selbst noch etwas über die Geschichte des Feiertags informiert: Thanksgiving geht auf ein Erntedankfest im Jahr 1621 zurück, das von englischen Siedlern zusammen mit den Wampanoag-Indianern gefeiert wurde. Später wurde Thanksgiving dann ein fester Feiertag in den USA.
Für mich war Thanksgiving eine sehr schöne Erfahrung. Ich habe viel über amerikanische Traditionen gelernt und gemerkt, wie wichtig Familie und gemeinsame Zeit hier sind.



Religion in den USA
Mir ist während meiner Zeit hier schnell aufgefallen, dass Religion hier im Alltag eine größere Rolle spielt als in Deutschland. Besonders an Feiertagen ist es üblich, vor dem Essen zu beten, was für mich am Anfang ungewohnt war.
Da meine Gasteltern getrennt sind, erlebe ich den Umgang mit Religion auf unterschiedliche Weise. Mein Gastvater ist sehr gläubig, und ich gehe mit ihm an vielen Sonntagen in die Kirche. Der Kirchenbesuch gehört für ihn ganz selbstverständlich zum Wochenablauf dazu. Im Gegensatz dazu ist meine Gastmutter kaum religiös. Sie geht nicht in die Kirche und betet auch nicht vor dem Essen. Dadurch habe ich gemerkt, dass es auch in den USA ganz verschiedene Einstellungen zur Religion gibt, auch wenn viele Menschen hier sehr gläubig sind.
Im Vergleich zu Deutschland ist mir besonders aufgefallen, dass viele Amerikaner offen über ihren Glauben sprechen. Viele meiner Freunde hier sind sehr gläubig, und viele tragen ein Kreuz als Halskette. In der Schule und in meinem Umfeld wird Religion oft ganz selbstverständlich erwähnt, was ich so aus Deutschland weniger kenne. Der Unterschied zu meinem Alltag in Deutschland ist für mich deutlich. Mit meiner Familie bin ich dort meist nur an Feiertagen in die Kirche gegangen, während hier viele Menschen jeden Sonntag in die Kirche gehen und an Feiertagen fast immer gebetet wird. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Religion in verschiedenen Ländern gelebt wird.



