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Jüdisches Leben international

Lina Miszori berichtet aus Amerika: "Seit zwei Monaten bin ich mittlerweile in Virginia. Als ich erfahren habe, dass ich jetzt für ein Jahr in einer jüdischen Gemeinde leben werde, habe ich mich riesig gefreut, gleichzeitig hatte ich Angst."

Seit zwei Monaten bin ich mittlerweile in Virginia und lebe nicht nur in einem anderen Land, sondern auch bei einer Gastfamilie mit anderen Regeln und Werten. Das hat Konfliktpotential. In diesem Artikel möchte ich den Fokus aber auf etwas Schönes legen, denn auch die Religion meiner Gastfamilie ist neu für mich.

Als ich erfahren habe, dass ich jetzt für ein Jahr in einer jüdischen Gemeinde leben werde, habe ich mich riesig gefreut, gleichzeitig hatte ich Angst. Was ist, wenn ich aufgrund meiner deutschen Herkunftsgeschichte nicht akzeptiert werde? Die Angst hat sich nochmals verstärkt, als meine Gastmutter mir erzählt hat, dass die Eltern unseres Rabbiners (jüdischer Pfarrer) Opfer des Holocaust wurden und er keine Scheu hat davon zu predigen. Ich habe mich mit ihm unterhalten, seine Botschaft war: Verzeihen! Wenn ich etwas aus der Konversation mitgenommen habe, dann, dass es wichtig ist auch über die unangenehmen Themen zu sprechen. Wir lernen in der Schule, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen. Zu spüren, wie sich Antisemitismus auf Menschen auswirkt, wenn sie aufgrund ihrer Kopfbedeckung bedroht werden oder Hakenkreuze an ihre Türen gemalt werden, hat mich sehr berührt.

Trotz aller Anfeindungen steht in der Gemeinde etwas anderes im Vordergrund: der Glaube. Ich bin ein Mensch, der manchmal zweifelt. Hier ist es so faszinierend, wenn die Gemeindemitglieder von Gott sprechen. Die Gemeinschaft tut gut und ich liebe es, wenn im Gottesdienst getanzt wird. In diesem Monat, der Tischri heißt, haben wir besonders viel getanzt, da sich die wichtigsten jüdischen Feiertage aneinanderreihen. Im jüdischen Kalender sind wir im Jahr 5784 und so wurde mir im September ein "Frohes Neues" gewünscht.

Jom Kippur, kurz darauf, ging eher mit einer demütigen Stimmung einher. Auch bekannt als der Versöhnungstag hat meine Gastfamilie traditionell gefastet und nicht gearbeitet. Schon fünf Tage später war das Laubhüttenfest. Wir wollten, genau wie unsere jüdischen Vorfahren, als sie aus Ägypten gerettet wurden, in einem Zelt im Garten schlafen. Leider hat es nicht geklappt. Was natürlich nicht fehlen durfte, war ein traditionelles Abendessen in einer Sukka (eine Art Zelt). Dieses Fest wird mit Erleichterung assoziiert, allerdings wurde dieses Gefühl von einem Schleier der Trauer verdeckt, denn in Israel ist seit Sukkot Krieg.

Israel mag vielleicht weit von den USA entfernt sein, aber dieses Land geht Juden sehr nah, da es fest mit ihrem Glauben verankert ist. Meine Gastmutter mit Freunden aus Israel telefonieren zu hören und sie so traurig zusehen, war und ist schwierig für mich. Kriege aufgrund von Herkunft und Religion sind real. Egal was man glaubt, die Quintessenz der Religion ist, unserem Leben Sinn zu geben und Werte zu vermitteln. Welchen Nutzen hat es, andere und ihre Werte gewaltvoll zu bekämpfen? Was in der Vergangenheit passiert ist, liefert keine Entschuldigung für Gewalt im Jetzt und Heute.

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