Jedes Jahr bietet sich für die rund 300 Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms eine besondere Gelegenheit: ein fünftägiger Workshop im politischen Zentrum der USA – Washington, D.C. Während die Gruppe normalerweise geteilt im Dezember und Januar reist, hieß es für meine Gruppe aufgrund von stürmischem Wetter in vielen Staaten: Geduld beweisen. Unser Workshop wurde schließlich auf April verschoben. Im Nachhinein war das ein Glücksfall, denn so durfte ich die Hauptstadt im Frühling statt im kalten Winter erleben. Ziel dieses Workshops war es, unsere Rolle als Junior-Botschafter zu festigen. Wir lernten, wie wir unsere Erfahrungen aus Deutschland und den USA bestmöglich vermitteln und die Beziehung zwischen den USA und Deutschland stärken können. Außerdem bekamen wir einen tieferen Einblick in politische Prozesse und die Geschichte der USA.
Tag 1 (Sonntag)
Sonntagmorgens hieß es für mich um 3 Uhr aufstehen. Gemeinsam mit einer weiteren PPPlerin meiner Highschool ging es von San Antonio aus in Richtung D.C., wo wir nach der Landung von Mitarbeitern des American Councils empfangen wurden. Da wir bei den Ersten waren, die ankamen, blieb uns vor dem offiziellen Check-in noch Zeit für einen Museumsbesuch in Downtown D.C. mit einem anschließenden Zwischenstopp bei Chipotle. Als wir zurückkamen, waren die restlichen Austauschschüler ebenfalls im Hotel angekommen. Für viele war es ein Wiedersehen, da man seine alten Freunde von den Vorbereitungstagen nach fast einem ganzen Jahr wiedersah. Nach einem guten Abendessen im Hotel hatten wir am Abend noch ein Gruppentreffen darüber, welche Eigenschaften einen guten Leader definieren. Ein wesentlicher Punkt bei dieser Übung war die Feststellung, dass allgemein als „böse“ angesehene oder nicht sehr beliebte Menschen trotzdem sehr wirkungsvolle Leader sein können.
Tag 2 (Montag)
Das offizielle Programm startete direkt am nächsten Morgen mit einer Orientierungstour rund um den Capitol Hill. Anschließend sind wir in die Büros des American Councils gefahren, wo wir an einem Workshop zum Thema Entrepreneurship teilnahmen. Wir lernten, wie aus einer ersten Idee ein marktfähiges Produkt wird, worauf es bei der strategischen Entwicklung ankommt und welche Schwierigkeiten entstehen könnten. Nach der Präsentation waren wir selbst an der Reihe: Unsere Aufgabe war es, ein Produkt zu entwickeln, das es noch nicht gab, dabei alle Faktoren wie Datenschutz, Copyright usw. zu beachten und schließlich unser Produkt in einer Minute zu vermarkten. Diese Übung hat uns gezeigt, wie schwer es sein kann, nicht nur eine Idee zu haben, sondern sie auch unter Einhaltung aller Gesetze und Vorschriften umsetzen zu können. Nach einem Zwischenstopp im Hotel, um etwas zu essen, haben wir den restlichen Abend damit verbracht, das Theaterstück „1776“ anzusehen. Passend zum bevorstehenden 250. Geburtstag der USA stellte es den Prozess der Entstehung der Unabhängigkeitserklärung dar – ein guter Einblick in die Geburtsstunde der US-Demokratie.


Tag 3 (Dienstag)
Am Dienstag standen Denkmäler und praktische Politik auf dem Plan. Nach Besuchen des Jefferson-, Lincoln- und JFK-Memorials wartete ein besonderes Erlebnis im U.S. Department of State, dem Außenministerium: eine Diplomatie-Simulation. Nachdem wir ein Briefing durch zwei aktive Diplomaten erhalten hatten, sind wir selbst in deren Rolle geschlüpft und mussten Verhandlungen führen, um Probleme im globalen Warenhandel zu lösen. Hierbei wurde mir erst richtig bewusst, wie viel strategische Arbeit und Kompromissbereitschaft hinter dem Beruf eines Diplomaten stecken.
Tag 4 (Mittwoch)
Unser letzter voller Tag war für mich der Höhepunkt der gesamten Civic Education Week. Wir hatten die Chance, den Capitol Hill auf eigene Faust zu erkunden. Ob das U.S. Capitol, der Supreme Court, die Library of Congress oder der Botanische Garten – wir konnten uns alles von innen ansehen und hatten sogar ein paar Führungen. Ein wesentlicher Bestandteil des Programms sind die Treffen mit den Abgeordneten. Da der Mittwoch der geschäftigste Tag im Kongress ist, waren die Senatoren von Texas sowie mein lokaler Abgeordneter leider persönlich verhindert. Davon ließ ich mich jedoch nicht entmutigen: Ich hatte ein interessantes Meeting mit einem Mitarbeiter eines der Senatoren gemeinsam mit den anderen Stipendiaten, die in Texas ihr Auslandsjahr verbringen. Wir sprachen über aktuelle politische Themen und erhielten spannende Einblicke in den Arbeitsalltag eines US-Senators.
Abreise (Donnerstag)
Nach einem letzten gemeinsamen Abend und einer sehr kurzen Nacht traten wir um 4 Uhr morgens den Rückflug an. Da die meisten Austauschschüler über die gesamten USA verteilt leben, hieß es nun Abschied nehmen von neuen und alten Freunden. Insgesamt war dieser Workshop eine sehr besondere Erfahrung und definitiv ein Highlight. Ich konnte mein politisches und historisches Wissen vertiefen, die amerikanische Kultur aus einer neuen Perspektive sehen und meine Rolle als Junior-Botschafterin besser verstehen. Ich bin sehr dankbar für diese Chance und wünsche jedem zukünftigen PPP-Stipendiaten eine ebenso aufschlussreiche Zeit in Washington, D.C.!


